Zukunftskonzept für Pflege und Wohnen in Schweinfurt
Diakonie fordert schnelle, bezahlbare und gemeinschaftliche Lösungen
Das Diakonische Werk Schweinfurt e.V. hat in den vergangenen zwei Wochen Besuche der beiden Oberbürgermeisterkandidaten zum Anlass genommen, die drängenden Herausforderungen und ein konkretes Zukunftskonzept für die Pflege in Schweinfurt zu thematisieren. Am 12. März 2026 empfing die Diakonie Oliver Schulte (Oberbürgermeisterkandidat CSU) im Wilhelm Löhe Haus; am 17. März 2026 besuchte Ralf Hofmann (Oberbürgermeisterkandidat SPD/Volt) das Pflegezentrum Maininsel. Bei beiden Treffen wurde dieselbe zentrale Botschaft deutlich: Es braucht kurzfristig umsetzbare, bezahlbare und gemeinschaftsorientierte Lösungen, damit Pflege bezahlbar und Teilhabe möglich bleibt.
Ausgangslage: Finanzielle Belastung und lange Antragswege
Die Diakonie macht auf eine dramatische Entwicklung aufmerksam: Viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sehen sich mit Zusatzkosten zur Pflegeversicherung von 3.000 bis 4.000 Euro konfrontiert; Anträge auf Leistungen dauern im Bezirk Unterfranken häufig ein halbes bis dreiviertel Jahr oder länger. Erstattungen fließen während dieser Zeit nicht.
Carsten Bräumer, Vorstand des Diakonischen Werkes Schweinfurt, bringt die Lage auf den Punkt: „Das System ist in weiten Teilen überlastet.“ Menschen können sich die Zuzahlungen nicht mehr leisten. Durch die aktuell unsicheren Arbeitsverhältnisse werden wieder mehr Menschen zuhause versorgt.
Die Folge: Die Nachfrage nach Pflegeplätzen und die Besuchszahlen in den Tagespflegen geht zurück.
Besuch im Wilhelm-Löhe-Haus und im Seniorenzentrum Maininsel
Beim Termin am 12. März im Wilhelm Löhe Haus diskutierten Oliver Schulte, Carsten Bräumer, Tanja Back (Leitung Geschäftsbereich Pflege), Renate Aman (Leitung Wilhelm Löhe Haus) und Kristina Unsleber (Vorstandsreferat) ein geplantes Konzept zur Modernisierung des Pflegeheims, die Zukunftschancen sowie die übergeordneten Herausforderungen. Beim Besuch am 17. März im Pflegezentrum Maininsel tauschten sich Ralf Hofmann, Carsten Bräumer und Tanja Back mit Manuela Lietsch (Leitung Maininsel) und Christian Zirngibl (Pflegedienstleitung Maininsel) ebenfalls zum Thema „Zukunft in der Pflege“ aus.
Während beider Treffen machte Carsten Bräumer deutlich: „Wir, die Diakonie, sind jetzt da und werden auch in Zukunft da sein!“ und ergänzte: „Wir wollen mit dem, was wir planen auch gegen Einsamkeit arbeiten“.
Sanierungskonzept Wilhelm Löhe Haus: neues, multifunktionales Zentrum für Senior:innen
Die Diakonie plant, das Wilhelm Löhe Haus als ein multifunktionales, multiprofessionelles Zentrum für Senior:innen neu aufzustellen. Ziel ist, auf allen vier Etagen besondere, zukunftsfähige Wohn und Betreuungsangebote zu schaffen: weg von rein klassischer Langzeitpflege hin zu gemeinschaftlichen, flexiblen und kosteneffizienten Wohnformen.
Die Diakonie setzt beim Konzept bewusst auf trägerverantwortete Wohngruppen als ergänzende Wohn‑ und Betreuungsform. Damit diese Wohnformen in Bayern flächendeckend und rechtssicher umgesetzt werden können, ist jedoch eine Klarstellung des Rechtsrahmens erforderlich: Die bislang geltenden Regelungen des Heimgesetzes verhindern in vielen Fällen die flexible Nutzung gemeinschaftlicher Wohnangebote. Auf Bundesebene bestehen die notwendigen Vorgaben bereits; in anderen Ländern sind entsprechende Ausnahmen und Regelungen deshalb längst üblich.
Carsten Bräumer macht deutlich, dass hier rasches politisches Handeln notwendig ist: „Die Politik muss ihre Hausaufgaben machen und den Rechtsrahmen so setzen, wie es anderswo bereits praktiziert wird.“ Seit Monaten weist die Diakonie immer wieder auf diese Dringlichkeit hin. Nur durch eine rechtliche Anpassung können die gewünschte Vielfalt an Wohn‑ und Betreuungsformen entstehen und damit die Versorgung, Teilhabe und Selbstbestimmung der Senior:innen nachhaltig verbessert werden.
Geplante Angebote im Wilhelm-Löhe-Haus
Im Erdgeschoss ist eine geschützte Wohngruppe mit zwölf Plätzen für Menschen mit Demenz vorgesehen; diese Wohngruppe erhält einen direkten Zugang zu einem eingezäunten Garten als sicherer Außenbereich. Im ersten und zweiten Obergeschoss sind jeweils Wohngruppen mit zwölf Plätzen geplant, die gemeinschaftliches Wohnen mit hoher Alltagsbeteiligung ermöglichen. Im vierten Stock ist der Ausbau von Wohnheimzimmern für Pflegekräfte aus Indien vorgesehen, um gezielt Personalunterbringung und Integration internationaler Fachkräfte zu ermöglichen. Zusätzlich soll der Bestand an seniorengerechten Wohnungen in der Umgebung erweitert werden.
Wirtschaftlichkeit, Technik und Alltagsorganisation
„Wohngruppen sind kostengünstiger, da der vorhandene Personalschlüssel effizienter genutzt werden kann und viele Alltagsaufgaben wie Wäsche, Verpflegung und Einkäufe gemeinschaftlich oder von den Personen selbstständig erledigt werden“, erklärt Tanja Back. Der Lebensmittelpunkt verlagert sich in großem Maße in einen gemeinschaftlichen Bereich, für den nur eine Präsenzkraft dauerhaft erforderlich ist; ergänzende Fachkräfte werden nach Bedarf zugeschaltet. Ergänzt wird dieses Modell durch gezielten technischen Einsatz: KI gestützte Systeme sollen vor allem zur Sturz und Notfallerkennung sowie zum Schutz der Bewohner:innen eingesetzt werden.
Chancen für Mitarbeitende und Senior:innen
Für Mitarbeitende eröffnet das Projekt neue, attraktive Arbeits und Wohnformen sowie Weiterentwicklungs und Qualifizierungsmöglichkeiten. Für Senior:innen bietet das Konzept mehr Wahlfreiheit, selbstbestimmte Alltagsgestaltung und sichere, gemeinschaftlich getragene Lebensräume. Tanja Back betont, dass Qualität, Würde und Sicherheit der Bewohner:innen bei allen Maßnahmen oberste Priorität haben.
Nächste Schritte
Die Diakonie Schweinfurt wird die Planungen zur Modernisierung des Wilhelm Löhe Hauses weiter konkretisieren, Gespräche mit der Stadt Schweinfurt, dem Landkreis, potenziellen Fördergebern und zivilgesellschaftlichen Partnern fortsetzen und die rechtlichen sowie baulichen Rahmenbedingungen prüfen. Wir hoffen darauf, dass sich auch politisch hier in Bayern endlich etwas in diese Richtung tut!