Jubiläumsfeier der Bahnhofsmission mit Teilnehmern in festlicher Stimmung.

100 Jahre Bahnhofsmission Schweinfurt

Ein Jahrhundert Menschlichkeit, Hilfe und Hoffnung

Die Bahnhofsmission Schweinfurt, ein gemeinsames ökumenisches Projekt des Diakonischen Werkes Schweinfurt e.V. und IN VIA, feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Aus Anlass dieses Jubiläums kamen Vertreter:innen aus Kirche, Politik und Gesellschaft sowie haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende im Mehrgenerationenhaus der Diakonie Schweinfurt zusammen, um ein Jahrhundert Einsatz für Menschen in besonderen Lebenslagen zu würdigen.

Ein Ort, an dem Leben pulsiert
„Die Bahnhofsmission ist dort, wo Leben pulsiert und die Bahn fährt“, betonte der Vorstand des Diakonischen Werkes Carsten Bräumer in seinem Grußwort. Die Bahnhofsmission verstehe sich als niedrigschwelliges Angebot für alle: „Man muss nicht mal Zug fahren, um willkommen zu sein.“ Dieses Selbstverständnis macht die Arbeit der Einrichtung bis heute aus: präsent, nah und mit offener Tür.

Wertschätzung von Politik und Kirche
Zu den Gästen der Jubiläumsfeier zählten Oberbürgermeister Ralf Hofmann, Landrat Florian Töpper, Martina Gießübel (MdL), Domkapitular Monsignore Clemens Bieber, Martina Fallmann (Vorständin IN VIA Würzburg) und Elke Krug (Bereichsleitung Soziale Dienste bei der Diakonie). Oberbürgermeister Hofmann bezeichnete die Bahnhofsmission als „einen wichtigen Pfeiler unseres sozialen Staates“ und berichtete eindrücklich von seinem Hospitationstag: „Dort wird jeden Tag Menschlichkeit gelebt.“ Landrat Töpper würdigte die Ehrenamtlichen: „Mensch sein. Unverbaut. Kein Amt. Innerliche Grundüberzeugung und eine Gabe.“ Monsignore Bieber übermittelte persönliche Grüße des Bischofs: „Die Bahnhofsmission ist ein Rastplatz für alle, die im Alltag einen Moment der Ruhe benötigen. Ihr Dienst am Nächsten ist in jedem Fall wertvoll.“
Als Stimme aus der Praxis fasste Martina Fallmann das Selbstverständnis der Einrichtung zusammen: „Ein Jahrhundert voller Hilfe, Menschlichkeit, Nächstenliebe und Hoffnung. Die Bahnhofsmission ist ein Ort, an dem man gewollt ist und an dem man sein darf. Bahnhofsmission bedeutet zuhören und dazuzugehören.“

Die Geschichte der Bahnhofsmission
Die Wurzeln der Bahnhofsmission in Deutschland reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück: Die erste evangelische Bahnhofsmission wurde 1894 in Berlin gegründet. Katholische und evangelische Angebote arbeiteten anfänglich getrennt; ab 1897 gab es erste ökumenische Ansätze. 1910 gründete sich die Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland (KKBM) als Koordinationsform, die die ökumenische Zusammenarbeit stärkte. Die Schweinfurter Bahnhofsmission nahm 1926 ihre Arbeit auf. Initiiert wurde dies durch die Privatinitiative von Babette „Bitta“ Cramer und Mathilde Herrmann, die aus christlicher Verantwortung heraus Einrichtungen für Menschen in Not gründeten. Bitta Cramer wurde später Vorsitzende der Schweinfurter Bahnhofsmission.
Seit 2004 ist die Bahnhofsmission in Schweinfurt am Gleis 1 beheimatet. Das hauptamtliche Team wird durch gut ausgebildete Ehrenamtliche ergänzt, die regelmäßig und verlässlich Dienste übernehmen. Die Deutsche Bahn stellt die Räumlichkeiten inklusive Nebenkosten kostenfrei zur Verfügung, was eine maßgebliche Unterstützung für die tägliche Arbeit darstellt.

Die Bahnhofsmission präsentiert sich und ihre Gäste immer wieder mit kreativen und inklusiven Projekten: Ausstellungen wie „Das Leben ist eine Kunst“, die Teilnahme an bayernweiten Kreativprojekten (z. B. „Wanderbank“), der „Tag der Bahnhofsmission“, das Pilotprojekt „Die Bahnhofsmission macht mobil“, die Ausstellung „Mobil sein – heißt dabei sein“ im Landratsamt sowie lokale Initiativen wie die „Stadtteilküche“.

Dank an alle Beteiligten
„Die Bahnhofsmission fragt nicht: Was kannst Du? Sondern: Was brauchst Du?“. Dieses Leitmotiv zieht sich durch 100 Jahre Engagement. Die Leitung, das hauptamtliche Team sowie die zahlreichen Ehrenamtlichen und Unterstützer:innen haben mit ihrem Einsatz die Bahnhofsmission über das letzte Jahrhundert zu einem verlässlichen Ankerpunkt für Menschen in schwierigen Lebenslagen gemacht.