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Genesungsbegleiter als neue Stelle

Trialog in der Praxis

Teilhabe auf Augenhöhe

… so nennt sich ein neues Projekt in der sozialpsychiatrischen Versorgungslandschaft in Unterfranken.
Gemeint ist die Beteiligung von Betroffenen und Angehörigen in der sozialpsychiatrischen Arbeit. Sie hat zur Grundlage, dass sich Psychiatrieerfahrene, Angehörige und professionelle Helfer auf Augenhöhe begegnen und so voneinander lernen. In Unterfranken findet die Qualifizierungsmaßnahme für Betroffene zum Genesungsbegleiter an der Robert-Kümmert-Akademie in Würzburg statt. Die Weiterbildung umfasst zwölf Wochenenden mit grundlegenden sozialpsychiatrischen Themenfeldern. Um ein Genesungsbegleiter zu werden, muss man neben der Teilnahme an den Wochenenden auch die eigene Genesungsgeschichte präsentieren. Weiterhin gilt es, eine Abschlussarbeit (Portfolio) zu schreiben und im letzten Modul eine abschließende Präsentation vorzutragen.

Doch jetzt zu meiner Arbeit im Sozialpsychiatrischen Dienst der Diakonie Schweinfurt: Endlich ist es soweit, ich bin im Berufsleben angekommen!
Nach einer 1,5-jähringen Weiterbildung in der Robert – Kümmert – Akademie in Würzburg und zwei Praktika in sozialpsychiatrischen Einrichtungen konnte ich zum 2. April eine Teilzeitstelle mit sechs Wochenstunden in der Diakonie antreten. Ich bin dem Sozialpsychiatrischen Dienst Bad Kissingen zugeordnet und konnte in den ersten vier Wochen schon einige Eindrücke sammeln. Die Kollegen haben mich herzlich und respektvoll aufgenommen. Die Weiterbildung zum Genesungsbegleiter und die Praktika haben mich gut auf meine Tätigkeit vorbereitet. Die Arbeit als „Experte aus Erfahrung“ ist jedoch so vielfältig wie die Klienten selbst, jeder ist anders und hat individuelle Bedürfnisse. Im Zuge meiner Genesung habe ich erfahren, wie viel Sport zur Gesundung beitragen kann. So habe ich in meiner Langzeitrehabilitation das speziell konzipierte Intervall-Laufprogramm von Prof. Dr. Ulrich Bartmann absolviert. Im Zuge dieses Trainings habe ich gelernt, wie wichtig Sport für mich ist! Wie schon der alte Spruch sagt: in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist!

So wird es zukünftig zu meinen Aufgaben gehören, jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag einen Sporttreff anzubieten. Wir werden mit schnellem Gehen starten. So ist es angedacht, dass wir mit Walking/Nordic Walking beginnen, um vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt das Joggen in Intervallen auszuprobieren. Die Laufgruppe ist speziell für Anfänger konzipiert, beinahe jeder kann mitmachen, im Zweifelsfall sollte dies mit dem Arzt abgeklärt werden. Ich werde versuchen, dass jeder beim Sport mit mir auf seine Kosten kommt und nicht unter aber auch nicht überfordert wird. Wichtig ist jedoch, dass fortgeschrittene Jogger ein wenig Rücksicht üben.
Neu gründen würde ich gerne eine Lesegruppe! Hier geht es nicht darum, Kafka oder Schiller neu zu interpretieren, sondern sich mit Literatur zu beschäftigen, die einem bei der eigenen Genesung helfen könnte. Wir würden uns auf ein gemeinsames Buch festlegen und dann wöchentlich über das gelesene Kapitel sprechen. Bücher könnten sein „Morgen bin ich ein Löwe“ von Arnhild Lauveng oder „Der Träumende Delphin“ von Sergio Bambaren. Für weitere Buchvorschläge bin ich jederzeit offen.
Weiterhin bin ich sehr erfahren auf dem Gebiet der Bewerbungen. Das heißt: Wie schreibe ich ein selbstbewusstes Anschreiben? Wie einen knackigen Lebenslauf? Wie gehe ich mit Erkrankung und Beruf um? Was macht ein gutes Bewerbungsfoto aus? Welche Zeugnisse lege ich bei und viele weitere Fragen kläre ich gerne gemeinsam mit Ihnen.

Bei Interesse an der Sportgruppe, dem Lesezirkel und/ oder der Bewerbungsberatung kontaktieren Sie mich doch einfach unter meiner
E-Mail: foesel@diakonie-schweinfurt.de

Für diesen Artikel
Raphael Fösel
Genesungsbegleiter