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Ein Lebenszeichen, auch ohne Bienenstockgesumme

Die Vesperkirche-ANDERS in Schweinfurt ist beendet - ein Fazit.

Eine bis auf den letzten Platz besetzte Kirche, Begegnungen beim Essen, Hunderte ehrenamtliche Mitarbeitende, Unmengen von Kuchenspenden: So kannte man die Vesperkirche, die seit 2015 regelmäßig in St. Johannis Schweinfurt als ein gemeinsames Projekt von Kirche und Diakonie angeboten wurde. Mehrere Wochen lang gab es in den letzten Jahren täglich ein warmes Essen in der Kirche, das sich wirklich alle leisten können sollten: Für 1,50 € gab es Essen, Kuchen, Kaffee – aber eben auch Gespräche, diakonische Angebote, Mittagsandachten und vieles mehr, insbesondere Begegnungen zwischen Menschen, die sich sonst nie über den Weg gelaufen wären. „Miteinander für Leib und Seele“, so das Motto der Vesperkirche, die die Menschen als Ganzes in den Blick nehmen will.

Nach einem reinen Video-Angebot im letzten Jahr sollte es trotz Pandemie in 2022 wenigstens ein kleines Lebenszeichen geben. Zwei Wochen lang gab es daher ein einfaches Essen im Freien nach einer kurzen Andacht in der Kirche. Viele nahmen ihr Essen mit nach Hause, die übrigen Gäste verteilten sich auf die bereitgestellten Stehtische, schlechtes Wetter hin oder her. Dabei legten die Veranstalter großen Wert auf die Einhaltung des Hygienekonzeptes.

Statt gut 400 Portionen am Tag wurden immerhin zwischen 30 und 55 Essen verkauft. Organisator Diakon Norbert Holzheid zeigte sich sehr zufrieden: Von den bestellten 60 Portionen musste nichts weggeworfen werden, die Reste wurden auf die Helferinnen und Helfer verteilt.

Doch auch die waren stark reduziert: Viel mehr Menschen wollten mitmachen als überhaupt bei dieser stark verkleinerten Vesperkirche benötigt wurden. Andere meldeten, sie würden im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein. Zwei Schulklassen des Celtis-Gymnasiums halfen nach eingehender Hygiene-Unterweisung mit. Auch die Feuerwehr half bereitwillig beim Transport der vom Feuerwehrverein bereitgestellten Verkaufshütte.

An Helferinnen und Helfern mangelt es also nicht – jedoch am Geld: Selbst die stark verkleinerte Vesperkirche brachte der Kirchengemeinde St. Johannis einen vierstelligen Verlust. Um wirklich allen eine Teilnahme zu ermöglichen, soll auch weiterhin das Essen zum stark subventionierten Preis angeboten werden. Dafür sind großzügige Spenden natürlich unentbehrlich – sowohl von Betrieben als auch von Privatpersonen.

Für den Leib und seine Gesundheit gab es im Rahmen der Vesperkirche ein Impfangebot in der St. Johanniskirche. Etliche ließen sich hier impfen, auch einige Erstimpfungen waren dabei. Ein wichtiges Angebot, so Dekan Oliver Bruckmann in seiner Abschlusspredigt, um dem Virus etwas entgegenzusetzen.

Pfarrerin Gisela Bruckmann zeigte sich im Abschlussgottesdienst zufrieden: „Wir konnten uns durchgehend wieder treffen.“ Alles sei anders gewesen – kein Bienenstockgesumme in der Kirche, sondern wenige Begegnungen draußen vor der Kirche. Aber es habe die täglichen Mittagsimpulse gegeben, dazu viel Musik, Menschen, die sich einbrachten, Begegnungen und Gespräche, die viele so vermisst hatten. Ein Ansporn sei diese Vesperkirche-ANDERS gewesen. Ein Ansporn, weiterzumachen – und ein Lebenszeichen.

Nach dem festlichen Abendmahlsgottesdienst zum Abschluss der gut zweiwöchigen Aktion ging es diesmal in den windgeschützten Innenhof des Martin-Luther-Hauses für die Essensausgabe – selbstverständlich auch hier mit Einbahnstraßenregelung, 2G-Kontrolle und den nötigen Abständen.

Auch wenn sich alle nach einer Wiederholung sehnen: Ein Termin für die Vesperkirche 2023 steht derzeit noch nicht fest.

Weitere Informationen finden Sie unter www.vesperkirche-schweinfurt.de

Spendenkonto: Kirchengemeinde St. Johannis IBAN DE82 7932 0075 0005 1674 42 HYVEDEMM451 Stichwort: Vesperkirche

Pressetext: Heiko Kuschel